Wahlprüfstein 2014: Ehrenamtscard

Setzen Sie sich für eine „Ehrenamtscard“ ein und wie wollen Sie diese ggf. ausgestalten?

AfD

Wir haben von dieser Partei bzw. Gruppierung auf die gestellte Frage leider keine Antwort erhalten.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Nach meiner Erfahrung engagiert sich niemand, weil er dadurch in den Genuss von Vergünstigungen kommt. Deshalb waren die Erfahrungen mit solchen Modellen bisher nicht erfolgreich. Dafür haben sich weder Firmen engagiert noch fanden sie Anklang bei den Ehrenamtlichen selber. Ich würde die Energie deshalb lieber in konkrete Erleichterungen der ehrenamtlichen Arbeit stecken und in spürbare Formen der Anerkennung. ABER: Wichtig ist, dass solche Entscheidungen nicht ohne und schon gar nicht gegen die engagierten Menschen getroffen werden. Grüne Politik heißt auch hier, die Betroffenen einzubeziehen und mit ihnen sinnvolle Wege zu erarbeiten. Auch die intensiven Diskussionen zu diesem Thema im Bündnis für Augsburg (ich bin Mitglied in der Steuerungsgruppe) haben gezeigt, wie wichtig eine Anerkennungskultur (jenseits von Vergünstigungen) für das Ehrenamt in allen Bereichen ist.

CSM

Ja unbedingt, jedoch muss diese auch von der Ausstattung her dem gerecht werden, was jeder Einzelne leistet. Die Ehrenamtscard sollte nämlich eine angemessene Anerkennung sein. Wir sollten bei einem unserer nächsten Treffen die Inhalte der Ehrenamtscard diskutieren.

CSU

Eine Ehrenamtscard halte ich grundsätzlich für richtig. Allerdings kann sie in Augsburg derzeit (noch) nicht umgesetzt werden, da die pauschale Förderung in Höhe von 5000.- Euro für die gesamte Stadt bei weitem nicht ausreicht. Außerdem hat sich der Stadtrat erst vor kurzem damit befasst und sich für eine konsumunabhängige Anerkennungskultur entschieden. Ehrenamt darf auch niemals den Charakter der Entgeltlichkeit bekommen. Mit dem Gutscheinheft „Augsburg engagiert – herzlichen Dank!“ wurde eine besondere Augsburger Lösung mit Vergünstigungen bei städtischen Angeboten gefunden, die durch eine wertschätzende Anerkennungskultur begleitet wird. Das bereits 3. Gutscheinheft kommt Anfang Mai 2014 heraus. Wir meinen, dass diese auf Basisbeteiligung beruhende Struktur jetzt zumindest für eine gewisse Zeit umgesetzt werden sollte, bevor über Änderungen diskutiert wird.

FDP

Wie andere Kommunen auch, soll Augsburg die Bayerische Ehrenamtskarte (www.ehrenamtskarte.bayern.de) einführen. Mit ihr kann man zu vergünstigten Preisen Tickets erwerben. Aufgabe der Politik ist es, dass weitere Dienstleister (z. B. Bäder, Museen, usw.) sich bereit erklären, diese durch Nachlässe bei Eintrittskarten zu unterstützen. Die Stadt selbst kann hier mit gutem Beispiel bei städtischen Einrichtungen vorangehen. Der Nachbarlandkreis Aichach-Friedberg, welcher sie bereits hat, kann sicher mit Rat und Tat bei der Einführung zur Seite stehen.

Freie Wähler

Hier hat der Stadtrat bereits im Juli 2011 in einem einstimmigen Beschluss ein Zeichen gesetzt:

4. Die Verwaltung wird beauftragt, folgende Maßnahmen umzusetzen:
Ehrungen, Preise und Wettbewerbe bzgl. bürgerschaftlichen Engagements Einzelner oder Institutionen:
 Um das Engagement Einzelner zu würdigen, wird das Gutscheinheft „Augsburg enga¬giert! Herzlichen Dank“ ab kommenden Haushaltsjahr eingeführt.

Beschlussbegründung:
4.1.: Eine referatsübergreifende Abfrage ergab, dass seitens der Stadt Augsburg bereits eine Vielfalt an Engagement fördernden Maßnahmen umgesetzt wird. Die bisherigen Maßnahmen (z.B. Zukunftspreis, Verdienstmedaille „Für Augsburg“, Verleihung von Urkunden und Zertifikaten o. ä.) haben sich weitgehend bewährt. Bislang wurden diese nicht auf eine gemeinsame Außenwirkung hin abgestimmt, was mit der Einrichtung des verwaltungsinternen Koordinationskreises verbessert wird.
Als individuelle Anerkennung wird mit dem Gutscheinheft „Augsburg engagiert! Herzlichen Dank“ eine Form der Anerkennung gewählt, die nicht gleichzeitig an zusätzlichen Konsum gebunden ist.

Die sich derzeit im Aufbau befindliche landesweite Ehrenamtscard wird aus drei Gründen in Augsburg nicht umgesetzt:
Zum Ersten ist die vorgesehene pauschale und einmalige Unterstützung von 5000.- € für eine Großstadt wie Augsburg nicht angemessen. Darauf verweist schon der Bayerische Städtetag in seinen Stellungnahmen. Zum Zweiten sind laut Vorgaben des Freistaates Bayern auch kommunale Einrichtungen zu beteiligen. In der Folge betreffen die mit der Ehrenamtscard verbundenen prozentualen Ermäßigungen auch den Haushalt der Stadt Augsburg. Dies ist in der Höhe nicht absehbar und der gegenwärtigen Haushaltslage nicht zu vertreten. Als dritter Punkt ist zu bedenken, dass auch Menschen individuell anerkannt werden sollen, die sich keine zusätzlichen Konsummöglichkeiten leisten können, jedoch ihren freiwillig engagierten Beitrag zur Gesellschaft erbringen. Diese werden von einer Ehrenamtscard in geplanter Form nicht profitieren. Das vorgesehene Gutscheinheft soll Angebote seitens der Stadt Augsburg (z.B. Eintrittskarten, Zugang zu Veranstaltungen etc.) sowie Beiträge aus der Wirtschaft (z.B. Sachspenden, Gutscheine o. ä.) beinhalten. Auf der Internetplattform „Augsburg engagiert!“ wird dieses Angebot vorgestellt und kontinuierlich aktualisiert. Das Büro BE entwickelt einen Vorschlag zur Vorgehensweise und stimmt diesen im referatsübergreifenden Koordinationskreis BE ab.

Bestehende Möglichkeiten der Anerkennung (z.B. Bundesverdienstkreuz, Ehrenamtszeichen u. a.) sind bei Vereinen und Verbänden nur begrenzt bekannt. Hierüber soll die geplante Internetplattform informieren und Zugänge erleichtern.

Und so haben wir es gemacht, das 3. Gutscheinheft kommt Anfang Mai 2014 raus.

Da uns als engagierten Freie Wähler die Meinung der betroffenen Bürger wichtig ist, würden wir uns freuen, wenn wir unsererseits von Ihnen eine Rückmeldung bekämen, wie dieses Gutscheinheft angenommen wird.
(Anmerkung: Selbstverständlich werden wir gerne mit den Freien Wählern diesbezüglich in Kontakt treten.)

Die Linke

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ÖDP

Die ÖDP Augsburg freut sich über das überaus hohe Maß an ehrenamtlichen Engagement das von den in der Arbeitsgemeinschaft Augsburg Hilft zusammengeschlossenen Hilfsorganisationen zum Wohle Augsburgs erbracht wird. Nachdem in der ÖDP auf kommunaler Ebene alle Mitarbeit ebenfalls ehrenamtlich erfolgt, können wir sehr gut nachvollziehen, welch hohen Aufwand an Zeit und Energie dies der/dem Einzelnen oft abverlangt. Die Arbeit der Hilfsdienste ist aus dem Leben der Stadt nicht weg zu denken. Insofern kann die Bedeutung Ihrer Arbeit kaum zu hoch eingeschätzt werden.

Als Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung ist nach Auffassung der ÖDP die „Ehrenamtscard“ durchaus geeignet. Hiermit könnten dann günstige Eintrittspreise in den städtischen Einrichtungen, verbilligte Karten für den Nahverkehr oder auch für Kinos verbunden sein.

Darüber hinaus werden wir den Erhalt der Strukturen des Rettungswesens nach Kräften unterstützen. Dazu gehört natürlich auch eine angemessene finanzielle Unterstützung durch die Stadt Augsburg. Hier wird sich die ÖDP den begründeten Forderungen seitens der Hilfsorganisationen nicht verschließen. Aus Sicht der ÖDP gehören zur Gegenfinanzierung die derzeit für Wirtschaftsansiedlungen aufgewendeten Mittel dringend auf den Prüfstand gehoben.

(Anmerkung: Die ÖDP hat zu allen Fragen die obenstehende Antwort mitgeteilt.)

Polit-WG

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PRO AUGSBURG

Eine Ehrenamtscard ist grundsätzlich zu befürworten. Dabei ist noch viel Klärungsbedarf vonnöten, denn außer den 1.200 Ehrenamtlichen, die Sie vertreten, gibt es Tausende Ehrenamtliche im Sportbereich und wiederum unglaublich Viele im Sozial- oder Kulturbereich. Gleiches gilt für den Umwelt-, Bildungsbereich, die Religionsgemeinschaften usw. Eine Grenze zu ziehen ist schwierig, denn warum sollen die einen Ehrenamtlichen gewürdigt werden und andere nicht? Es stellt sich daher die Frage, ob es zielführend ist, eine Ehrenamtscard mit Preisvorteilen zum Beispiel bei Eintritten zu verknüpfen. Bei zahlreichen Gesprächen habe ich bisher den Eindruck gewonnen, dass es ohnehin den Ehrenamtlichen viel mehr um eine adäquate Form der Wertschätzung und Anerkennung geht.

SPD

Die Ehrenamtlichen hätten eine Anerkennung in Form einer Ehrenamtscard sicher verdient. Doch aus vielen Begegnungen weiß ich, dass gerade dieser Personenkreis die soziale Situation in Augsburg am besten kennt und weiß, dass der finanzielle Spielraum sehr gering ist. Vergünstigungen müssen sich zunächst an den Personenkreis richten, der sozial schwach ist und dem ansonsten Möglichkeiten zur Teilhabe und Mitbestimmung versperrt bleiben („Sozialcard“). Deshalb werden wir die Ehrenamtscard zwar prüfen, aber können kein Versprechen über den Zeitpunkt der Einführung und ihren Umfang abgeben. Wir werden Initiativen des Freistaates hierzu anregen und unterstützen.

Fragen an die Parteien und Gruppierungen zur Kommunalwahl 2014

Folgende Fragen haben wir an die Parteien und Gruppierungen versendet. Die Antworten erhalten Sie mit einem Klick auf die Frage.

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