„Der Esel“…

Unvergessen ist mancher hintergründige und humorvolle Ausspruch von Papst Johannes XXIII., der seine große Lebensweisheit widerspiegelte und zuweilen auch die eigene Person einbezogen hat. Dazu gehört auch sein Wort, das er schmunzelnd im Blick auf seine im Alter von 76 Jahren erfolgte Papstwahl gesagt hat: „Wenn die Pferde nicht mehr weiterkommen, dann holt man die Esel!“.

Die Eltern hatten zu Hause als arme Papstbauern in dem oberitalienischen Bergdorf Sotto il Monte einen schönen Esel. So hat der spätere Papst schon als Kind die gute, treue Art dieses Haustieres schätzen gelernt. Deshalb konnte er sich dann in seinem kirchlichen Dienst bis hin zum Papstamt ein Stück mit diesem gutmütigem Lasttier identifizieren.

Ähnlich können das viele tun. Ohne diese Rolle käme unsere Gesellschaft nicht zurecht. Auch das „menschliche Lasttier“ ist unentbehrlich. Ohne die Bereitschaft zum selbstlosen Dienen kann es in einer Familie nicht gehen. Ohne dass überall auch mal die „Drecksarbeit“ gemacht wird, läuft es nicht.

Mit der Hohen Schule stolzer Pferde in der eleganten Reit- und Springkunst lässt sich das Leben nicht meistern. Dann holt man eben den Esel. Auf den Esel in mancherlei Gestalt ist eben absolut Verlass. Er ist robust und stark, verlässlich und anspruchslos. Er ist unglaublich belastbar und hält einfach durch. Was wird ihm nicht alles aufgepackt! Ausdauernd geht er unter der Last. Mal stur, mal störrisch, mal mürrisch. Aber er geht und geht und geht.

Ist es wirklich nur Dummheit, wenn er das tut? Mit welchem Recht sagt man ihm das nach? Man stelle die Gegenfrage: Könnte es nicht auch höchste Intelligenz sein, das Notwendige auf sich zu nehmen und durchzutragen?

Und wenn wir den Vergleich Mensch und Esel noch weiter vertiefen wollen: Hat es schließlich sogar etwas mit der Liebe zu tun, wenn in größter Geduld eine sichere Lebensleistung erbracht wird zum Wohlergehen anderer? Geduld ist doch wohl die höchste Form der Liebe.

Du bleibst unter den Lasten.
Du willst sie nicht abwerfen.
Du hast verstanden, was Treue zu bedeuten hat.
Und es kann dir passieren, dass nicht einmal mehr jemand dich hinter den Ohren krault oder dir gar das berühmte „gute Wort“ sagt.

Allmählich wird uns klar, warum man die Esel holt und wann man sie holt. Auch der Herr hat einen Esel geholt im Hinblick auf seine Passion.

Übrigens, wo findet man sie?
Überall! Vielleicht direkt neben dir.
Sie sterben hoffentlich nie aus.
Diese Lastträger.

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