Studium und Ehrenamt verbinden als „Pionierleistung für das ganze Land“

Maximilian Ritter hat gerade sein Maschinenbau-Studium an der Hochschule Augsburg begonnen. Der 19-Jährige verdankt seinen Platz nicht nur seiner schulischen Leistung, sondern auch seinem ehrenamtlichen Engagement. Denn die Hochschule ist Partner der Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen sowie des Stadtfeuerwehrverbandes: „Damit haben sie für die Zielgruppe der Studentinnen und Studenten ein vollständig neuartiges Konzept zur Nachwuchsgewinnung und -erhaltung in Feuerwehren und freiwilligen Hilfsorganisationen entwickelt“, so der bayerische Innenminister Joachim Herrmann bei der Auftaktveranstaltung am 10. März. Er habe gerne die Schirmherrschaft für die Kooperation übernommen, da diese Säule der Sicherheitsarchitektur in Bayern so dauerhaft gestärkt werden könne. „Ich würde mich freuen, wenn wir diese Kooperationsvereinbarung als Vorbild für weitere Kooperationen zwischen bayerischen Hochschulen und den Feuerwehren und Hilfsorganisationen vorstellen könnten“, so Herrmann. „Diese organisationsübergreifende Zusammenarbeit ist vorbildlich und besonders im Einsatzfall von unschätzbarem Wert.“

Staatsminister Joachim Herrmann

Staatsminister Joachim Herrmann

Wer sich beim Arbeiter-Samariter-Bund, beim Bayerischen Roten Kreuz, bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, bei den Johannitern, Maltesern oder bei einer Freiwilligen Feuerwehr dauerhaft engagiert und zum Studium an die Hochschule Augsburg kommt, hat ab sofort Vorteile: Über das örtliche Auswahlverfahren kann die Hochschule den Zugang für ehrenamtlich Aktive ermöglichen. Außerdem sollen sich in diesem Bereich engagierte Studentinnen und Studenten vernetzen: „Es soll miteinander Verständnis bei Professoren und Dozenten dafür geweckt werden, dass man aufgrund der ehrenamtlichen Tätigkeit im Studium öfters mal nicht anwesend sein kann“, erklärt Prof. Dr. Nik Klever, der selbst bei der Bergwacht aktiv die Kooperation mit den Partnern der Feuerwehren und Hilfsorganisationen initiiert hat. Außerdem soll das Engagement über das ganze Studium hinweg ermöglicht werden, gemeinsame Veranstaltungen und Exkursionen sollen die Vernetzung fördern. Darüber hinaus solle der Technologie- und Wissenstransfer zwischen den Partnern gefördert werden, so Professor Klever. Seit 2014 ist die Förderung des Ehrenamts eines der bayerischen Staatsziele und gelte damit auch für die Hochschulen, so Prof. Dr. Gordon Thomas Rohrmair, Hochschul-Vizepräsident für angewandte Forschung und Wissenstransfer. Eine solche Kooperation sei in Bayern, wenn nicht gar deutschlandweit, einzigartig. Staatminister Herrmann bezeichnet die Kooperation als „Pionierleistung für das ganze Land“.

Hochschule Augsburg, Ehrenamt, Hilfsorganisation, Feuerwehr, Partner

Günter Gsottberger, Maximilian Ritter, Theresa Lichtenstern, Prof. Nik Klever und Kai Faßnacht

Schon heute sind 33 Studierende bei Feuerwehren und Hilfsorganisationen in der Region aktiv: Theresa Lichtenstern aus Landsberg hat im Jahr 2008 in Pitzling die Jugendfeuerwehr mitbegründet. Die 22-Jährige studiert an der Hochschule Augsburg Betriebswirtschaft, schreibt gerade ihre Bachelorarbeit und ist Mutter eines einjährigen Sohnes. Sie sagt: „Ich finde es sehr schön, dass das Ehrenamt durch die Kooperation Wertschätzung erfährt. Ich erhalte dadurch eine Art von Anerkennung.“ Außerdem verschaffe ihr die Sensibilisierung für das Thema unter Professoren und Dozenten eine gewisse Erleichterung: „Jetzt kann ich auch mal unbesorgt meinen Piepser in der Zeit vor einer Klausur anlassen.“ Der Einsatzalarmierung nachkommen oder dem Studium? – die Antwort auf diese Frage fällt ihr heute leichter als früher, da sie nun das Gefühl hat, beides besser unter einen Hut zu bekommen. Die Mitstudierenden seien im Zweifelsfall auch gerne bereit, sich über den fehlenden Stoff aus einer Vorlesung auszutauschen.

Günter Gsottberger, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen betont: „Diese neue Kooperation knüpft an unser Engagement als Lobby für das Ehrenamt an: Wir haben bereits 2013 mit „Rettet die Retter“ eine Basis für die frühkindliche Prägung einer „Kultur des Helfens“ in Kindertagesstätten gelegt und werben für die Fortsetzung an Grundschulen.“ In Mittel- und Realschulen sowie Gymnasium betreiben Hilfsorganisationen schon „geradezu traditionell“ Schulsanitätsdienste. Die Kooperation mit der Hochschule sei damit die logische Fortsetzung der Engagement-Förderung von Kindesbeinen an bis ins Erwachsenenalter. „Es gilt nun, in Zukunft nicht nur Familie und Beruf, sondern auch das Ehrenamt in Einklang zu bringen – ein ganzes Leben im Zeichen des Engagements füreinander“, betont Gsottberger.

Auch Kai Faßnacht, stellvertretender Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes Augsburg und ehrenamtlich aktiver Feuerwehrmann, hofft auf den Vorbildcharakter der Kooperation als „innovativem Impuls“: „Viele Arbeitgeber haben für die plötzliche Abwesenheit ihrer Mitarbeiter leider gar kein Verständnis mehr. Doch oft haben die Hochschulen und Universitäten einen Anstoß gebracht, der dann durch Arbeitgeber weiterverfolgt wurde.“

Fotos: Hochschule Augsburg / Matthias Leo

Maximilian Ritter verfolgt seine Ziele im Studium und Ehrenamt weiterhin: Im Herbst beginnt der Johanniter seine Ausbildung zum Rettungssanitäter parallel zum Studium, er engagiert sich bei Sanitätsdiensten und im Bevölkerungsschutz. Er ist froh, in der Heimat studieren und sich für die Bürger engagieren zu können. Gleichzeitig soll das Studium an der Hochschule erfolgreich absolviert werden. Die Chancen stehen damit gut, eine künftige Fachkraft für die Region erhalten zu haben.

Für das Projekt „Hochschule Augsburg als Partner der Feuerwehren und Hilfsorganisationen“ wurde die Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen mit dem 2. Platz des Förderpreises „Helfende Hand 2015“ des Bundesministeriums des Innern in der Kategorie „Innovative Konzepte“ ausgezeichnet. 

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