Enttäuschung und Verwunderung für über 1.200 Ehrenamtliche

Am 16. März können die Augsburger ihren Oberbürgermeister und Stadtrat für die nächsten sechs Jahre wählen. Mit über 1.200 aktiven Ehrenamtlichen sowie rund 42.000 Mitgliedern vertritt die Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen zahlreiche Wähler; daher hat sich das Bündnis der fünf großen Hilfsorganisationen mit Fragen an alle Parteien und Gruppierungen gewandt, die zur Kommunalwahl 2014 zugelassen wurden. Und sie wurden zum Teil enttäuscht: „Dass einzelne Parteien mit Verspätung und andere wie die „Alternative für Deutschland“, „die Linke“ sowie die „Polit-WG“ die Fragen unserer Helferinnen und Helfer überhaupt nicht beantwortet haben, ist eine große Enttäuschung und zeigt eine gewisse Ignoranz gegenüber unseren Ehrenamtlichen“, erklärt Günter Gsottberger, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen. „Damit verfestigt sich ein Eindruck, den wir schon bei der Durchsicht der Wahlprogramme im Vorfeld gewonnen haben: Das Ehrenamt in den Hilfsorganisationen hat für viele Parteien letztendlich keine oder zumindest nur eine untergeordnete Bedeutung.“

Mit ihren Wahlprüfsteinen wollten die Hilfsorganisationen den Parteien und Gruppierungen eine Brücke bauen, um den Ehrenamtlichen und Mitgliedern ihre Ziele nahezubringen. Alle Antworten werden auch innerhalb der Organisationen verbreitet. „Mit Verwunderung nehmen wir dann wahr, wenn einzelne Kandidaten für den Stadtrat offensichtlich nicht einmal zwischen THW, Berufsfeuerwehr und unseren Hilfsorganisationen unterscheiden können“, sagt Gsottberger. Die Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen vertritt den Arbeiter-Samariter-Bund, die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft, das Bayerische Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe sowie den Malteser Hilfsdienst, jedoch keine anderen Vereine oder Verbände wie die Berufsfeuerwehr oder das Technische Hilfswerk. Seit fünf Jahren gibt es das Bündnis, es möchte vor allem die Anliegen des Ehrenamts gemeinsam unterstützen.

„Wir haben stets den Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern gesucht“, betont Gsottberger, „und so Manches auch erreicht – insbesondere in der Wertschätzungs- und Anerkennungskultur. Dennoch erwarten sich unsere Helferinnen und Helfer zu Recht mehr Unterstützung.“ Daher waren die Fragen vor allem diesem Themenfeld gewidmet, und die Parteien und Gruppierungen konnten ihre Konzepte und Haltungen wie zum Beispiel zur möglichen Einführung einer Ehrenamtscard erläutern. „Wenig konkret, zum Teil nicht verstanden“ – so lautet das Fazit der Arbeitsgemeinschaft: „Gleiches gilt für unser Anliegen nach einer dauerhaft gesicherten Finanzierung durch die Kommune, für die wir rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahren in Bereitschaft sind“, sagt Günter Gsottberger. Zuletzt haben die Hilfsorganisationen 6.000 Euro für notwendige Investitionen als so genannte „Freiwillige Zuschüsse“ der Stadt erhalten – nicht pro Organisation, sondern gemeinsam für fünf Verbände mit 1.200 Ehrenamtlichen.

„Wir wissen um die schwierige Haushaltslage, in der die Verteilung der Ressourcen nach Prioritäten erfolgen muss“, schränkt Gsottberger die Erwartungen ein. „Die Politiker sollten aber auch wissen, wie oft unsere Ehrenamtlichen für die Bürgerinnen und Bürger im Einsatz sind. Großschadensereignisse, die immer wieder auftreten, erfordern engagierte Mitbürgern – wir erinnern zum Beispiel an den Tram-Unfall in Augsburg (2012) oder die Hochwassereinsätze bei Deggendorf (2013), gleichzeitig an jedes FCA-Spiel mit 30 bis 50 Einsatzkräften oder unsere zahlreichen Sanitäter, die im Prinzip jeden Tag bei kleinen und großen Veranstaltungen in der Stadt für die Sicherheit vor Ort sorgen.“ Dementsprechend sei eine mittel- und langfristige Finanzierung, vor allem für Ausbildung und Material, zwingend notwendig, „um die Sicherheit in Augsburg aufrechtzuerhalten: Nur mit unseren hauptamtlichen Rettungskräften, denen wir alle für ihren Einsatz Respekt zollen, wäre das System nicht aufrechtzuerhalten – vor allem bei größeren Unfällen. Wir brauchen auch in der Zukunft mehr denn je ehrenamtliches Engagement mit einer fundierten Aus- und Fortbildung und daher die nachhaltige und planbare Unterstützung vor allem auch der Kommunalpolitik“, zieht Günter Gsottberger sein Fazit.

Die Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen stellt die Antworten transparent zur Verfügung und gibt keinerlei Wahlempfehlungen ab. Vielmehr sollen sich die Ehrenamtlichen, Mitglieder und alle interessierten Bürger ein eigenes Bild zu den Wahlaussagen der Parteien und Gruppierungen machen können.

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