Im Notfall: 112 wählen | Am 11. Februar ist der Tag des Notrufs

112

Bildnachweis: T. Grosser / JUH 2013 (freigegeben zur bundesweiten Nutzung durch Hilfsorganisationen)

Eigentlich ist es kinderleicht: Wenn es ein Mensch in Not ist und dringend der Rettungsdienst benötigt wird, wählt man 112. Vorwahlfrei. Europaweit. – Was schon 5-Jährige im Kindergarten dank spezieller Erste-Hilfe-Kurse mit Hilfsorganisationen spielerisch erlernen und verstehen, fällt vielen Erwachsenen in Notsituationen oft schwer. Denn der Bekanntheitsgrad der Rufnummer 112 als EU-weite Notrufnummer stieg zwar bis 2013 im europäischen Durchschnitt auf 27 %, in Deutschland kennen jedoch nur 17 % diese Notrufnummer. Deutschland liegt damit nur auf dem viertletzten Platz vor Großbritannien (13 %), Griechenland (7 %) und Italien (5 %). Daher soll am 11. Februar auf die Bedeutung des Notrufs für die gesamte Rettungskette aufmerksam gemacht werden. Eben am 11.2. – eine Erinnerung jedes Jahr aufs Neue.

Günter Gsottberger

Günter Gsottberger

In medizinischen Notfällen sind oft viele Menschen überfordert: „Wer zu einem Unfall kommt oder zufällig auf eine verletzte oder kranke Person trifft, zögert manchmal sogar, den Notruf zu wählen. Dabei ist eine möglichst frühe Alarmierung professioneller Helfer in vielen Situationen lebensrettend“, wie Günter Gsottberger, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen, betont: „Man sollte die 112 im Zweifelsfall lieber einmal zu oft wählen als einmal zu wenig.“ Das Rote Kreuz, die Johanniter und die Malteser stellen gemeinsam den größten Anteil der Notarzt-, Rettungs- und Krankentransport-Wagen in Augsburg. Daher arbeiten sie auch eng mit der Notaufnahme und den Ärzten des Klinikum Augsburg zusammen, das über sein Rettungszentrum koordiniert auch viele Ärzte für Notarztdienst zur Verfügung stellt.

Dr. Jürgen Friedrich

Dr. Jürgen Friedrich

Um die lebensrettende Nummer bekannter zu machen, hat die EU den 11. Februar zum „Europäischen Tag der 112“ erklärt. In allen EU-Staaten sind Feuerwehren und Rettungsdienste rund um die Uhr unter der einheitlichen Rufnummer 112 erreichbar. Die Gespräche seien für den Anrufer immer kostenlos, erklärt Dr. Jürgen Friedrich, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Klinikum. Er selbst ist auch als Notarzt oft im Einsatz. Er betont: „Auch von Mobiltelefonen ohne Guthaben können die Notrufnummern angewählt werden.“

Doch Notärzte und Rettungskräfte haben einen Wunsch: „Anrufer sollen sich keine Scherze mit der 112 erlauben“, so Gsottberger und Dr. Friedrich. Falsche Notrufe kosten Zeit und können damit für akut Verletzte oder Erkrankte fatale Folgen haben, wenn wegen eines Spaß-Anrufes keine weiteren Rettungskräfte zur Verfügung stehen. Wenn tatsächlich eine Notsituation vorliegt, entstehen dem Anrufer selbstverständlich keine Kosten für den Einsatz, egal ob Rettungswagen, Notarzt oder gar der Rettungshubschrauber zum Einsatzort ausrücken – auch wenn einmal zu viel angerufen wurde.

fromme

Dr. Reinhard Fromme

Im Raum Augsburg sind die Rettungsdienste seit 2008 über die Integrierte Leitstelle bei der Berufsfeuerwehr unter 112 erreichbar. „Gerade bei einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall zählt jede Minute“, betont Dr. Reinhard Fromme vom Rettungszentrum am Klinikum. Beim Anruf unter der 112 meldet sich ein medizinisch geschulter Mitarbeiter, der mit dem Anrufer einen festen Katalog an Fragen durchgeht. Im Vordergrund stehen dabei die Komplexe „Wo ist es passiert“, „Wie viele Menschen sind verletzt“ und „Wie ist deren gesundheitlicher Zustand“. „Bevor nicht alle Fragen der Leitstelle beantwortet sind, sollte der Anrufer auf keinen Fall selbst das Gespräch beenden“, betont Günter Gsottberger. Somit kann entschieden werden, welches Rettungsmittel ausrückt.

Wenn keine akut lebensbedrohliche Situation vorliegt, wird laut Dr. Jürgen Friedrich oft zunächst ein Rettungswagen losgeschickt, der mit nichtärztlichem, aber speziell ausgebildetem Rettungsdienstpersonal besetzt ist. Nur wenn die Patienten zum Beispiel unter Atemnot leiden, starke Schmerzen haben oder bewusstlos sind, wird automatisch ein Notarzt mitalarmiert. „In der Regel ist in weniger als zehn Minuten der erste professionelle Helfer am Einsatzort“, sagt Dr. Friedrich. Wichtig ist das Zusammenspiel aller Rettungskräfte – egal ob haupt- oder ehrenamtlich bei den Hilfsorganisationen, zwischen Notärzten und Rettungsassistenten sowie der Feuerwehr und weiteren privaten Rettungsdienstorganisationen. Gemeinsam sorgen die Helfer für eine schnelle Behandlung des Patienten sowie – wenn notwendig – einen sicheren Transport ins Krankenhaus.

Somit schließt sich die Rettungskette, die mit der Wahl der Notrufnummer 112 beginnt. Für die Bevölkerung ist so eine schnelle, hochwertige Versorgung gewährleistet. Patienten sind im Notfall gut aufgehoben.

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